Do 28.5. – Di 30.6.2026
Moravské náměstí
Die Ausstellung geht von der persönlichen Erfahrung der Künstlerin Andrea Wanko aus, die sich entschieden hat, ihre eigene Familiengeschichte zu öffnen – geprägt von tschechisch-deutschen Wurzeln, Nationalsozialismus und den Nachkriegsereignissen in Brünn. Ein Thema, das in ihrer Familie lange mit Schweigen und Angst verbunden war, wird zum Ausgangspunkt einer Reise zu sich selbst und zu einem besseren Verständnis der historischen Zusammenhänge.
Ausgangspunkt ist eine einfache, aber drängende Frage: In welchem Maß prägen die Erfahrungen unserer Vorfahren unsere Persönlichkeit und unser Erleben? Andrea entscheidet sich, die Angst hinter sich zu lassen und erstmals aktiv in die komplexe Geschichte ihrer Familie einzutreten. Durch Therapie, spirituelle Begleitung, künstlerisches Arbeiten, Recherchen in Archiven, Gespräche mit Zeitzeugen und die Rückkehr zu Erinnerungsorten untersucht sie nach und nach, wie sich unbewältigte Geschichte in Identität, Beziehungen und im alltäglichen Erleben widerspiegelt.
„Unverarbeitete Vergangenheit ist Schicksal; sie wiederholt sich, bis wir den Mut finden, uns ihr gemeinsam zu stellen. Trauma wirkt in einer Familie fort, bis jemand in der nächsten Generation die Umstände, die Kapazität, die Ressourcen und den Mut hat, ihm und seinen Folgen in sich zu begegnen, es zu durchdringen und zu heilen – für sich selbst, für seine Vorfahren und für kommende Generationen.“
Thomas Hübl, PhD, Experte für die Integration kollektiver Traumata
Die Ausstellung verfolgt diesen Weg als Prozess – nicht als fertige Erklärung, sondern als offenes Suchen, in dem Heilung langsam und unscheinbar geschieht: durch Beziehungen, künstlerisches Schaffen und das Teilen von Erfahrungen – und auf die Auflösung dessen zielt, was sich über Generationen hinweg überträgt. Die Ausstellung macht diesen Prozess als Bewegung sichtbar, die im Inneren des Menschen, zwischen Generationen und zwischen Menschen stattfindet. Das Annehmen von Widersprüchen, das Benennen von Schmerz und das Teilen von Erfahrungen werden hier zu grundlegenden Werkzeugen des Verstehens. Es geht nicht um Rechtfertigung oder Verurteilung, sondern um den Versuch, die Vorfahren zu verstehen. Um die Fähigkeit, sie mit all ihren Entscheidungen und deren Konsequenzen anzunehmen, die bis in die Gegenwart reichen. Zu diesem Weg gehört auch die Bereitschaft, tiefer zu gehen – unter die Oberfläche der Familiengeschichte und in die tieferen Schichten des eigenen Inneren.
Das Projekt öffnet das tschechisch-deutsche Thema durch eine konkrete menschliche Geschichte und gibt der Komplexität der Vergangenheit Raum, ohne Vereinfachungen und moralische Zuschreibungen. Die Ausstellung ist Teil eines umfassenderen multidisziplinären künstlerisch-therapeutischen und edukativen Projekts, das persönliche Erinnerung, Kunst, Therapie, historische Forschung und öffentlichen Dialog miteinander verbindet. Zum Projekt gehören auch ein dokumentarischer Langzeitfilm, eine begleitende Publikation, die aus dem therapeutischen Prozess hervorgeht, sowie Bildungsprogramme, Workshops, Diskussionen und Begegnungen für Schulen und die breite Öffentlichkeit. Ziel ist es, Einzelpersonen, Pädagoginnen und Pädagogen sowie Institutionen zu einer sensiblen Arbeit mit familiärer Erinnerung zu inspirieren und zu zeigen, dass das Verstehen der Vergangenheit keine Schwäche, sondern Mut ist – und dass selbst eine Erfahrung, die trennt, zum Ausgangspunkt von Begegnung, Lernen und Versöhnung werden kann.
Kuratorisches Team der Ausstellung: Markéta Brhlíková, Andrea Wanko
Projektteam: Markéta Brhlíková, Andrea Wanko, Veronika Smyslová, Šárka Weberová, Karolína Poláčková, Ester Švábková
Die Ausstellung ist bis zum 30. 6. 2026 auf dem Moravské náměstí zu sehen.
